Historie des Musikverein Herbstein 1913 e.V.

Am 1.Juli 1913 versammelten sich einige Herbsteiner Musikfreunde und gründeten einen Verein, der es sich zur Aufgabe machte, die Musik zu pflegen, indem man regelmäßige Übungsstunden abhielt, neu beitretende Mitglieder anlernte, öffentliche Konzerte und musikalische Veranstaltungen durchführte, wie es im §1 der Satzungen heißt. Das der Verein etwas auf sich hielt, beweisen die 26 Paragraphen seiner Satzung, die den heutigen Leser teilweise sehr hart anmuten und nur zu verstehen sind, wenn man Musikliebe und eine gute Portion Idealismus bei den Aktiven voraussetzt. Als Mitglied wurde nur aufgenommen, wer sich im sozialen Leben anständig bewegt und einen tadellosen Ruf genießt. Wer drei Wochen ohne genügenden Grund den Übungen fernblieb, wurde ausgeschlossen und konnte frühestens nach zwei Jahren wieder aufgenommen werden. Wöchentlich fanden mindestens zwei Proben statt, und wer zu spät kam, musste 10 Pfennig Strafgeld zahlen. Auch gegen die Schlampigkeit gingen die Vereinsstatuten vor. Wer am Ende der Übungsstunde seine Noten nicht wegräumte, musste 10 Pfennig in die Vereinskasse entrichten.

Es waren die Dehns, Christoph als 1. Vorsitzender, Leonhard und Heinrich als 1. und 2.Dirigent, die den Musikverein aus der Taufe hoben. Zwar pausierte der Verein während des ersten Weltkrieges, doch schon am 17.Mai 1919 hielt er seine erste Nachkriegsversammlung ab. Fortan bestand der Musikverein aus einer Bläsergruppe, einer Instrumentalgruppe und einer Gesangsabteilung, die über 60 Mitglieder zählte und der eine Theatergruppe angeschlossen war.

Im Jahre 1925 fand ein großes Musikfest statt, wobei die Fahne des Musikvereins geweiht wurde. Die Chronik berichtet von vielen Konzerten, Theateraufführungen, von gemütlichen Beisammensein beim Kartoffelbraten, von Kappenabenden und ähnlichen Zusammenkünften. Sie zeichnet das Bild eines aktiven und erfolgreichen Vereins in den zwanziger Jahren. Dann kam das "Dritte Reich" und mit ihm auch die Zerschlagung des Musikvereins.  Die Gesangsabteilung wurde der Bruderliebe angeschlossen und die Bläser - die Instrumentalgruppe war schon früher eingeschlafen- wurden der Standartenkapelle in Lauterbach zugewiesen. Nach dem zweiten Weltkrieg kam das Vereinsleben nur sehr schleppend in Bewegung. Die Bläser kamen nur noch zu kurzen Proben vor den alljährlichen kirchlichen Prozessionen zusammen. Die letzten großen Konzerte, allerdings schon mit auswärtigen Musikern, gab der Verein 1950 und 1952. Seit 1945 fanden kaum noch Versammlungen statt. Die Frage des Nachwuchses war sehr akut und es sah zum 50jährigen Bestehen im Jahre 1963 so aus, als würde der Verein mit den letzten Aktiven sang- und klanglos untergehen.

Doch Ende der sechziger Jahre erfuhr der Musikverein eine Wiederbelebung. Durch die Initiatoren Josef Böttinger, Heinrich Dehn und dem damaligen Kaplan Hitzel konnten zahlreiche Jugendliche gewonnen werden. Vor allem Dank des Einsatzes von Heinrich Dehn wurden in den folgenden Jahren immer wieder junge Kräfte angelernt, so dass sich wieder eine schlagkräftige Musikkapelle entwickelte, die sich schon Anfang der siebziger Jahre in einheitlicher Kleidung präsentierte. Bei zahlreichen Auftritten sowohl in der näheren Umgebung als auch außerhalb, wie z.B. bei Hessen- und Europatagen, bei der Bundesgartenschau in Bonn oder dem Treffen der Kolpingfamilien in Köln, machte der Verein verstärkt auf sich aufmerksam und vertrat zudem immer wieder die Farben seiner Heimatstadt.

Zum 65. Geburtstag des Vereins im Jahre 1978 konnte im Rahmen eines Lieder- und Musikabends eine neue Tracht vorgestellt werden, die mit Unterstützung der Stadt Herbstein und des damaligen Bürgermeisters Wyrtki angeschafft wurde. Mit ca. 30 Aktiven wurde in den folgenden Jahren musiziert. Neben den kirchlichen Anlässen wie Prozessionen, Weihnachtsmessen und weiteren kirchlichen Feiertagen trat der Verein zu vielen weltlichen und geselligen Gelegenheiten auf. Auch einige Veranstaltungen mit prominenten Politikern wie z.B. Helmut Kohl, Bernhard Vogel, Alfred Dregger, Lothar Späth oder Walter Wallmann wurden musikalisch umrahmt.

Herausragend waren jedoch die Auftritte 1978 und 1981 in Berlin, beim Besuch der Messe "Grüne Woche". Als Höhepunkt der bisherigen Vereinsgeschichte ist die Reise des Musikvereins im Jahre 1988 in die USA mit Auftritten bei der Steubenparade und der UNO in New York, sowie bei einem großen deusch-amerkikanischen Volksfest auf Long Island, anzusehen.